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18-07-2013

Nahost-Preisverleihung 2013 in Düsseldorf

Erstmalige Verleihung der Auszeichnung an Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn;

Medienpreis geht an die Journalistin Judith Schulte-Loh

DINO zeichnet Luxemburgs Außenminister Asselborn und WDR-Journalistin Schulte-Loh aus.

Zwei verdiente Preisträger, zahlreiche Bekenntnisse zum Nahen Osten und jede Menge Diskussionsstoff für weitere Gespräche: Das ist das Ergebnis des erstmals verliehenen Nahost-Preises der Deutschen Initiative für den Nahen Osten (DINO).

Im Beisein von rund 100 geladenen Gästen wurde die Auszeichnung am Donnerstag in der Düsseldorfer Villa Horion verliehen. Preisträger waren der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn und die WDR-Journalistin Judith Schulte-Loh. Mit dem Nahost-Preis sollen Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Medien geehrt werden, die sich in besonderer Weise für die Region eingesetzt und die Situation in vorbildlicher Weise kenntnisreich, kritisch und unabhängig der Öffentlichkeit vermittelt haben.

Asselborn erhielt den Preis aus den Händen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). In ihrer Laudatio lobte sie den Luxemburger als „ausgewiesenen Kenner“ des Nahen Ostens.

„Sie haben sich immer wieder ein eigenes, unverstelltes und ungefärbtes Bild von den Verhältnissen vor Ort gemacht“, sagte die Regierungschefin. Asselborn beziehe deutlich Position, da ihm die „tragische Dimension des Nahost-Konflikts mit all seinem menschlichen Leid“ nicht gleichgültig sei.

Mit Blick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt ermahnte der luxemburgische Vizepremier beide Seiten. „Wie soll auch nur der Anfang eines Vertrauensverhältnisses entstehen, wenn die israelische Regierung ihre Siedlungspolitik in Ost-Jerusalem und dem Westjordanland in einem Maße vorantreibt, dass es in Kürze nicht mehr möglich sein wird, einen zusammenhängenden Staat Palästina zu schaffen“, kritisierte Asselborn.

Israels Sicherheit könne nur dauerhaft gewährleistet werden, wenn die Palästinenser die Chance auf einen funktionierenden Staat erhielten. Von den Palästinensern verlangte Asselborn, die durch die Friedensinitiative von US-Außenminister John Kerry ausgestreckte Hand anzunehmen. Die einzig denkbare Lösung des Problems sei eine Zwei-Staaten-Lösung mit den Grenzen von 1967 und Jerusalem als Hauptstadt beider Länder. „Ich kann aber nicht mit Sicherheit sagen, ob die jetzige israelische Regierung tatsächlich eine Zwei-Staaten-Lösung will“, äußerte er sich skeptisch.

Auch auf die aktuellen Ereignisse in Ägypten ging der langjährige Außenminister ein. „Es bleibt zu hoffen, dass die Grundregeln des Pluralismus und der Demokratie von allen politischen Akteuren in Kairo anerkannt und geschützt werden. Ägypten muss zu seiner stabilisierenden Rolle im Nahen Osten zurückfinden“, forderte Asselborn. Derzeit seien die Menschen in dem Land auf der Suche nach einer Perspektive. Der Plan des Übergangspräsidenten für eine Verfassungsreform sowie Parlaments- und Präsidentschaftswahlen müsse ohne Verzug umgesetzt werden. Die gesamte Region steht nach Asselborns Einschätzung vor einer Zäsur. „Von der östlichen Mittelmeerküste bis zum Persischen Golf erstreckt sich ein politisches Pulverfass, dessen Lunte vor unseren Augen abbrennt“, sagte er. Europa beginge dabei einen großen Fehler, wenn es durch Zögern und Gleichgültigkeit nur Zuschauer bleibe. „Millionen Menschen in der arabischen Welt würden wir enttäuschen“, sagte er.

Lesen Sie hier die ganze Dankesrede

Ausschnitt aus der Laudatio der Ministerpräsidentin (phoenix-Video)

Zusammen mit dem Nahost-Preis wurde bei dem rund einstündigen Festakt auch der Medienpreis verliehen. Er ging an die WDR-Journalistin Schulte-Loh. „Sie haben immer für ihre journalistische Grundüberzeugung gestanden, beide Seiten im Blick zu haben. Sie stehen für kritischen, klaren, unabhängigen und nachhaltigen Journalismus“, sagte der NDR-Intendant und aktuelle ARD-Vorsitzende Lutz Marmor in seiner Laudatio.

Wer über den Nahen Osten berichte, trage eine große Verantwortung und müsse genau auf seine Formulierungen achten. „Ein Wort an der falschen Stelle kann sehr rasch zu einem Politikum werden“, sagte er. So könne eine Kritik an Israel schnell in eine antisemitische Ecke gerückt werden. Daher sei es besonders wichtig, differenziert zu berichten. In verschiedensten Funktionen habe Schulte-Loh diese Fähigkeit über Jahre unter Beweis gestellt.

Die Journalistin erinnerte daran, dass in der Nahost-Region derzeit viel Bewegung sei. „Aber im klassischen Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser tut sich eher weniger etwas.“ Die Ereignisse in Ägypten und der Bürgerkrieg in Syrien bestimmten die Berichterstattung. „Damit gerät der Konflikt, von dem viele sagen, er sei eigentlich der Angelpunkt für Frieden in der Region, ein wenig aus dem Blickfeld.“

Auch die Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtages, Carina Gödecke (SPD), appellierte in einer kurzen Ansprache daran, das Interesse und die Aufmerksamkeit für den Konflikt nicht zu verlieren. „Die Menschen in dieser immer wieder von Krisen und Kriegen erschütterten Region bedürfen unserer intensiven Unterstützung über die tagespolitischen Aspekte hinaus“, sagte sie. Europa spiele dabei eine besondere Bedeutung.

Musik:

Uwe Koch (Klavier, Gesang) und

Ritski Bracht (Saxophon) aus Münster

(Alle Fotos: Bernd Hegert)

 

Pressebeiträge:

Bericht der Botschaft von Luxemburg in Berlin
phoenix-Kanal youtube: Laudatio von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Anerkennung über AJG-Schüleraustausch (Beiratsmitglied Reinartz berichtet)

Mit freundlicher Unterstützung von:

Landschaftsverband Rheinland

Judith Schulte-Loh
Landtagspräsidentin Carina Gödecke
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft
Außenminister Jean Asselborn
Manfred Erdenberger, AM Jean Asselborn, MP Hannelore Kraft
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